DBZ 7/2003

     
     
     

Schwimmbad mit Aussicht

     

Seniorenvilla in Rhenen/NL

     

Durch ihre zurückhaltende Gestaltung fügt sich die Villa Deys von Paul de Ruiter nahtlos in die landschaftliche Umgebung östlich von Utrecht ein. Im Zentrum des seniorengerecht ausgestatteten Hauses steht ein beheiztes Schwimmbad.

         
   

Als Paul de Ruiter vor ein paar Jahren mit der Planung einer Seniorenvilla im südniederländischen Brabant beauftragt wurde, gelang ihm eine zeitgemäße und freie Übersetzung des kleinen Hauses, das Le Corbusier 1924 am Genfer See für seine Eltern errichtet hatte. Eine ähnliche Aufgabe stellte sich dem Architekten jetzt in seinem Heimatort Rhenen. Das passende Grundstück konnte Paul de Ruiter seinen Bauherren, dem etwa 65-jährigen Ehepaar Deys, dabei gleich mitliefern: Denn, um bei seinen Projekten als eigener Projektentwickler agieren zu können, hatte er zuvor vier benachbarte Grundstücke in unmittelbarer Nähe zum alten Dorfkern erworben, um sie später - inklusive Bebauung - wieder verkaufen zu können.
Das Haus Deys ist das erste dieser vier Projekte. Nach Süden hin blickt der einfach und offen konzipierte Bau hinaus auf die flachen Wiesen am nahe gelegenen Rhein, nach Norden grenzt er an einen rund zehn Meter hohen Ausläufer der "Utrechter Hügelkette". Als Antwort auf diesen reizvollen regelrecht alpinen Kontext entwickelte Paul de Ruiter zwei lang gestreckte, parallel zueinander stehende Flachdachvolumina, deren leicht versetzte Anordnung eine möglichst große Fassadenfläche schafft und so die Tageslichtzufuhr optimiert. Verbunden werden beide Volumina durch einen dazwischen gelegenen, flacheren Baukörper mit dem Schwimmbad. Die von der Seite betrachtet stufenförmige und in Richtung des Hügels leicht ansteigende Dachlinie greift dabei nicht nur geschickt die terrassenartig gestaffelte Landschaftsformation zwischen Rhein und Hügelkette wieder auf, sondern bot dem Architekten auch die Möglichkeit zur Integration horizontaler Fensterbänder.
Wer vom "Cunerahügel" hinunter blickt, der erkennt die mit Moos begrünten Flachdächer sowie die fast vollständig geschlossene Nordfassade, die mit ihrer Verkleidung aus vertikal angeordneten Holzlamellen die mit dunkel lackierten Holzlatten errichteten Bauernscheunen in der Umgebung zitiert. Eingerahmt werden die Lamellen durch einen rund 50 cm breiten Randbereich aus Kupferpaneelen, deren jetziges Dunkelgrau im Verlauf der nächsten 20 Jahre als sinnfälliges Bild des Alterns zunehmend zu Leuchtend-Grün oxidieren wird. Die Stirnseiten des Hauses wurden dagegen mit 20 mm tiefen, lavagefüllten Gitter-Paneelen verkleidet. Das bei der Montage von oben herab eingefüllte Lavagranulat schafft einen optischen Bezug zu den als Gabionen gestalteten Grundstücksbegrenzungen, und optimiert den sommerlichen Wärmeschutz.
Wesentlich offener zeigt sich die Südfassade, wo eine durchgehende Front aus verglasten Aluminium-Schiebetüren gemeinsam mit einem ausgeklügelten außen liegenden Sonnenschutz-System aus horizontal angeordneten Zedernholz-Lamellen einen fließenden Übergang zwischen innen und außen schafft. Um den Bewohnern eine maximale Flexibilität zwischen Offenheit und Sicht- bzw. Sonnenschutz zu bieten, wurde die rund vier Meter hohe Lamellenfront in zehn nebeneinander gelegene Module untergliedert, die sich unabhängig voneinander elektrisch öffnen und schließen lassen. Ein auf halber Fassadenhöhe gelegener horizontaler Knickpunkt sowie vertikale Führungsschienen auf den Aluminium-Profilen der Schiebetüren ermöglichen dabei ein V-förmiges Aufklappen der einzelnen Module.
Innen
So natürlich die Villa Deys nach außen hin erscheint, so kühl und technisch wirkt sie nach innen: Ein hochmodernes Ambiente mit weiß verputzten Wänden und Decken, offenen Glastüren und -wänden sowie hellen, kunststoffbeschichteten Böden. Der südliche Flügel bietet ein großes und lichtdurchflutetes Wohn- und Arbeitszimmer mit einem zentralen Küchenblock, der Nordteil nimmt Schlafzimmer, Musikzimmer, Bad und Garage auf. Der Mittelblock beherbergt das Schwimmbad sowie einen Nebeneingang nach Osten und eine als Haupteingang und Orangerie fungierende Verbindungsschleuse in Richtung Westen.
Altengerecht
Dem Grundgedanken folgend, dass die Bewohner selbstbestimmt bis ins hohe Alter hier leben können, weisen die einzelnen Wohnräume keinerlei Höhenunterschiede auf und gehen nach den kürzesten Laufwegen fließend ineinander über. Sämtliche Türen lassen sich über eine Fernbedienung öffnen und wurden ausreichend breit gestaltet, damit die Bewohner eventuell auch mit dem Rollstuhl hindurchfahren können.
Noch mehr Luxus bietet das durch Glaswände von der übrigen Wohnung getrennte und durch vier Oberlichter fast mystisch belichtete Schwimmbad. Die Wasseroberfläche wurde dabei exakt der Höhe der umgebenden Flure angepasst, so dass die Bewohner beim Schwimmen durch die Wohnung blicken können. Je nach Wunsch lassen sich die Glaswände durch einen elektrischen Impuls mattieren, um so Durchsicht und Lichtstimmung steuern zu können. Durchgehend transparent bleibt lediglich der untere Bereich der Glastrennwände.
Gleichzeitig leistet das Schwimmbad einen wichtigen Beitrag zur Gebäudetechnik, denn die Kopplung des 27 Grad C warmen Wassers mit dem Niedertemperatur-Heizungssystem des Hauses sorgt in Kombination mit einer Wärmepumpe dafür, dass die verbrauchte Energie als Heizwärme wieder zur Verfügung steht. Ebenfalls zweifach genutzt wird das über die Oberlichter eingefallene Tageslicht: Von der Wasseroberfläche aus wird es an die hellen Decken reflektiert und sorgt so dafür, dass auch der ansonsten fast geschlossene Nordflügel des Hauses ausreichend natürliche Helligkeit erhält. Mehr Licht geht nicht.
Internet: www.paulderuiter.nl
Auftraggeber: Br. H.P. Deys & Brs. J.H.C.T. Deys-Trijssenaar
Objekt: Haus Deys, Schoutenboomgaardweg, Rhenen
Haustechnik: Milieukundig Onderzoeken OntwerpBuro Boom, Delft
Tragwerksplanung: Adviesburo K.J. de Krijger b.v., Ede
Landschaftsarchitekten: Buro Zijaanzicht, Wageningen
Baudaten
Baubeginn: Januar 2001
Brutto-Geschossfläche BGF: 280 qm
Baukosten: ca. 850000 EUR
Fertigstellung: Mai 2002