DBZ 5/2004

     
     
     

Eng verschlungen

     

Zwei Stadtvillen in Eindhoven/NL

     

Auf dem frei gebliebenen Grundstück im Nordosten der Anlage “Don Bosco” (1997 realisiert) errichteten die Architekten Diederen Dirrix van Wylick jetzt eine raffiniert verschachtelte Doppelhauswohnung.

         
   

Durch den Technologie-Konzern Philips sowie den Autohersteller DAF (inzwischen Volvo) hat sich die rund 200 000 Einwohner zählende Stadt Eindhoven im vergangenen Jahrhundert zu einem der wichtigsten Industrie-Standorte der Niederlande entwickelt. In unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum, direkt zwischen dem Wohn- und Geschäftsviertel “De Bergen” im Norden und dem Stadtpark im Süden, haben die vor Ort ansässigen Architekten Diederen & Schutgens 1997 die innerstädtische Wohnanlage “Don Bosco” mit insgesamt 53 Sozialwohnungen sowie vier exklusiven Atelierwohnungen realisiert.
Das um einen rautenförmigen, halböffentlichen Innenhof gruppierte Ensemble ergänzt einen bestehenden Gebäuderiegel in Richtung Westen und schafft durch seine freundliche und intime Ausstrahlung sowie die gute Einbettung in den umgebenden Kontext ein gelungenes Beispiel für die Schaffung eines modernen innerstädtischen Wohnquartiers mit hohen städtebaulichen Qualitäten. Die Sozialwohnungen verteilen sich auf einen terrassenförmig abgestuften Gebäuderiegel in Richtung Süden sowie einen viergeschossigen Baukörper in Richtung Osten. Nach Norden hin wird die Anlage durch ein kleineres Volumen mit den vier Atelier-Wohnungen begrenzt. Lediglich in Richtung Nordosten war die Bebauung noch nicht vollständig abgeschlossen. Da die minimalen Abmessungen des Grundstückes hier keine weiteren Sozial- oder Atelierwohnungen zuließen, entschieden sich Paul Diederen und Michel Schutgens schließlich dazu, hier eine Doppelvilla mit zwei eigenen Wohnungen zu realisieren. Nach dem plötzlichen Tod von Michel Schutgens kamen die Planungen zunächst für einige Jahre zum Stillstand, wurden dann aber schließlich durch das neu gegründete Büro Diederen Dirrix Van Wylick fortgeführt. Zentrale Ausgangspunkte waren dabei zunächst die Rolle des Neubaus als städtebauliches Scharnier zwischen den angrenzenden Gebäuderiegeln sowie seine Lage am halb-öffentlichen Fußgängerweg “Lucifersteeg”, der den Park im Süden mit dem im Norden angrenzenden Wohn- und Geschäftsviertel verbindet. Als gelungene Antwort auf diesen heterogenen städtebaulichen Kontext entwickelten die Architekten einen markant geschnittenen, wuchtigen Block, der entsprechend der Gestaltung der übrigen Baukörper mit Zedernholz verkleidet wurde. Die L-förmige Anordnung sowie die verschachtelte Grundrissgestaltung mit weiten Panoramafenstern, überdeckten Balkonen, innen liegenden Patios und offenen Dachterrassen ermöglichen dabei trotz der eng bemessenen Grundstücksfläche in beiden Einheiten ausreichend Tageslicht sowie eine attraktive Aussicht auf den Innenhof.
Beide Wohnungen sind um einen zentralen Kern mit Treppenhaus und Sanitärräumen organisiert. Die Erschließung erfolgt jeweils am äußeren Scheitelpunkt der beiden Flügel, wo durch den deutlichen Rücksprung der Fassade im Erdgeschoss eine überdachte Eingangsfont entstanden ist. In der direkt darüber gelegenen Gebäudeecke finden sich die beiden lichtdurchfluteten Wohnzimmer – im ersten Geschoss gehört es zu der nach Südwesten orientierten Einheit, im zweiten Geschoss zur Wohnung von Paul Diederen. Hier, wie auch in sämtlichen anderen Räumen, wählten die Architekten eine zurückhaltende, aber eindeutig formulierte Materialsprache mit tragenden Wänden aus Sichtbeton, warmen Holzböden sowie exklusiven, gemeinsam mit dem Designer Bob Copray entwickelten Möbeln. Eines der wichtigsten Themen bei der Planung der Gesamtanlage war die enge Verflechtung von öffentlich und privat – etwa durch die Inszenierung der alltäglichen Aktivitäten wie dem Nach-Hause-Kommen, dem Weggehen, dem Parken der Autos oder dem Abstellen der Fahrräder, die als stets wiederkehrende Handlungen auf der “Innenhof-Bühne” stattfinden. Den gleichen Gedanken führten die Architekten auch bei der Planung der beiden Stadtvillen fort. Auch hier spielen sich essen, schlafen, sonnen, kochen, sich begegnen oder arbeiten abwechselnd im intimen Raum ab oder werden nach außen gezeigt. Am deutlichsten zeigt sich diese Strategie bei der Gestaltung des auffällig transparenten Badezimmers im Obergeschoss, das statt durch eine massive Außenwand lediglich durch eine Glashaut vom Außenraum getrennt wird. Als halböffentliches Schaufenster zur Stadt.
Baudaten:
Projekt: Zwei Stadtvillen in Eindhoven/NL
Bauherr: Tom Aussems sowie Paul Diederen und Hildegaard Diederen-Hick
Planung: Paul Diederen, Diederen Dirrix van Wylick architecten, Eindhoven
Mitarbeiter: Milco Haans, Jackel Henstra, Irène Horvers, Roel van der Linden, Fabianne Riolo, Michiel van der Wielen, Ronald van Aggelen
Fertigstellung: Dezember 2002
Bauleitung: Paul Diederen, Diederen Dirrix van Wylick architecten, Eindhoven
Innenarchitekt: Paul Diederen, Diederen Dirrix van Wylick architecten, Eindhoven
Landschaftsarchitekt: JA vormgevers, Hans van der Markt, Tilburg
Tragwerksplanung: Advies en ingenieursbureau Van de Laar
Technische Gebäudeausstattung: Dorsser Blesgraaf, Eindhoven
Grundstücksgröße: 260 qm
Grundflächenzahl GRZ: 1
Geschossflächenzahl GFZ: 2,5
Hauptnutzfläche HNF: 291 qm
Nebennutz- und Verkehrsfläche NNF+VF: 205 qm
Brutto-Geschossfläche BGF: 650 qm
Gesamtkosten: 700000 €