DBZ 8/2004

     
     
     

Atemberaubender Anstieg

     

Kunstmuseum ARoS, Århus/DK

     

Im dänischen Århus ist vor wenigen Wochen das Kunstmuseum ARoS eröffnet worden. Spektakulärer Blickpunkt des Neubaus ist das lichtdurchflutete Atrium mit der über insgesamt neun Geschosse reichenden, spiralförmigen Treppenrampe.

         
   

Mit ihrem neuen ARoS-Kunstmuseum hat sich die 300000 Einwohner zählende dänische Stadt Århus quasi über Nacht auf einen der vordersten Ränge der europäischen Kulturlandkarte katapultiert: Der in unmittelbarer Nachbarschaft zur Städtischen Konzerthalle und dem Rathaus von Arne Jacobsen und Erik Sørensen (1937 – 1943) platzierte Neubau zeigt internationale Kunstwerke vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart und ist mit einer Fläche von rund 17700 m2 eines der größten Kunstmuseen Nordeuropas. Der Entwurf des nach dem Mittelalter-Namen von Århus benannten Neubaus geht zurück auf einen 1997 durchgeführten und mit insgesamt 110 internationalen Büros besetzten Wettbewerb, den schließlich das junge dänische Trio Schmidt, Hammer & Lassen – bekannt vor allem durch seinen vielbeachteten Anbau der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen – für sich entscheiden konnte. Für ihren Museumsneubau in Århus entwickelten die Planer eine Synthese aus der “geschlossenen, kompakten Form ägyptischer Pyramiden und der transparenten Offenheit moderner Glashäuser”: Nach außen hin zeigt sich der Neubau dementsprechend zurückhaltend als ein mit rötlichem Klinker verkleideter und nur durch wenige horizontale und vertikale Glasschlitze geöffneter Kubus, im Inneren schaffen großzügige Oberlichter ein strahlend weißes, fast ätherisch anmutendes Ambiente.
Treppen, Rampen, Stege
Die Erschließung des über sieben oberirdische und drei unterirdische Ebenen reichenden Museums erfolgt über zwei barrierefreie Rampen in Richtung Norden und Süden. Im Inneren des Gebäudes verbinden sich beide Zugänge zu einer leicht geschwungenen und kostenlos zugänglichen Museumsstraße mit anliegenden Cafés, nach außen hin setzen sie sich als kleine Fußwege fort, die den öffentlichen Passagencharakter des Neubaus und dessen Verzahnung mit dem städtischen Kontext unterstreichen. Direkt oberhalb der Passage fällt der Blick auf das 35 m hohe und über insgesamt neun Geschosse reichende Atrium, das sich wie eine mäandrierende Schlucht durch den Neubau zieht und den gesamten Quader in einen zentralen Ausstellungsbereich östlich der Museumsstraße und in einen kleineren Servicebereich mit Bibliothek, Büros, Archiv, Gastronomie und Café in Richtung Westen unterteilt. Zusätzliche Spannung erhält die gebäudehohe Schlucht durch offene Balkone, durch frei im Raum schwebende Brücken sowie durch mehrere kreisrunde Treppenhäuser. Atemberaubender Höhepunkt innerhalb der Halle ist jedoch die im Knick der öffentlichen Passage spiralförmig aufsteigende Treppenrampe, die schon auf den ersten Blick an Frank Lloyd Wrights Spirale im New Yorker Guggenheim-Museum erinnert. Ein besonders faszinierender Anblick bietet sich dabei nach Sonnenuntergang, wenn die mit Ortbeton errichtete Spirale als weithin sichtbare, beleuchtete Raumskulptur die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zieht. Anders als das etwas kleinere Vorbild in New York fungiert die Rampe in Århus jedoch nicht als zusätzliche Ausstellungsfläche, sondern dient gemeinsam mit zwei im Kern der Spirale integrierten transparenten Aufzügen ausschließlich zur Erschließung der verschiedenen Ausstellungsebenen: In den Untergeschossen führt sie zu den Räumen für die Wechselausstellungen sowie in die Räume für zeitgenössische Kunst aus den Sparten Installation, Video, Foto und Licht der Spirale aufwärts folgend, erreichen die Besucher die auf den Ebenen 2 + 3 gelegene Sammlung Moderner Kunst von 1930 bis heute, die unter anderem Werke von Georg Baselitz, Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Jeff Koons und namhaften dänischen Künstlern wie Per Kirkeby zeigt. Um eine einfache, minimalistische Materialqualität zu erreichen und die Architektur nicht in Konkurrenz zu den ausgestellten Arbeiten treten zu lassen, verfolgten die Planer in sämtlichen Räumen das Konzept des “White Cubus” mit weiß gestrichenen Wänden sowie Fußböden aus glatt poliertem Beton. Eine Ausnahme bildet lediglich der direkt unter dem Dach gelegene Saal mit herausragenden Klassikern dänischer Kunst von 1770 bis 1930, den die Architekten abweichend vom sonstigen Konzept mit warm ein-gefärbten Wänden und einem Holzfußboden gestaltet haben. Noch mehr Besucher lockt gegenwärtig jedoch die Sonderausstellung “POP Classic”, die unter anderem eine Auswahl der wichtigsten Arbeiten von Andy Warhol zeigt. Zu sehen noch bis zum 5. September.
Baudaten:
Standort: ARoS Allé 2, Århus/DK
Bauherr: Stadt Arhus
Baubeginn: 2001
Fertigstellung: 2004
Bauingenieur: NIRAS
Landschaftsarchitekten: Schmidt, Hammer & Lassen, Århus
Akustik: Jordan Acoustics
TGA: Byggeplandata as
Bruttogeschossfläche: 17700 m2
Ausstellungsfläche: 6775 m2
Baukosten: 38 Mio.€
Internet: www.shl.dk