DBZ 11/2006

     
     
     

Im Spiel des Lichts

     

Schwimmbad, Villanueva de la Cañada/E

     

In der Nähe von Madrid wurde vor kurzem ein Schwimmbad der Architekten Churtichaga + Quadra-Salcedos neu eröffnet. Der Bau überzeugt vor allem durch seine materialbetonte Gestaltung und die sensible Modulation des einfallenden Tageslichtes.

         
   

Mit weit über fünf Millionen Einwohnern gehören die Stadt Madrid und die angrenzende Peripherie zu den größten Metropolregionen Europas. Rund 25 km westlich des Zentrums liegt der Vorort Villanueva de la Cañada mit rund 15 000 Einwohnern, mehr als die Hälfte von ihnen sind Studenten der beiden vor wenigen Jahren vor Ort gegründeten Privatuniversitäten. Ende 2003 wurde hier die viel beachtete neue Bibliothek der Architekten Churtichaga + Quadra-Salcedo eröffnet. Jetzt hat das Madrider Büro auch ein neues öffentliches Schwimmbad in Villanueva de la Cañada realisiert. Der zeitlose, fast minimalistisch formulierte Bau integriert auf einer Bruttogeschossfläche von 5 100 m2 drei unterschiedlich große Schwimmbecken für bis zu 200 Besucher, einen Saunabereich, vier Sport-, Wellness- und Fitnessräume, Umkleiden, Büros sowie ein Café mit Außenterrasse, in dem die Besucher nach dem Baden noch etwas verweilen können.
Als Standort für das auf einem Wettbewerbsentwurf aus dem Jahr 2001 beruhende Projekt wurde ein von Norden nach Süden um rund vier Meter abfallendes Grundstück im Nordwesten des Ortes ausgewählt. Der Topografie des Areals entsprechend entwickelten die Architekten einen quer in den Hang geschobenen, überwiegend zweigeschossig ausgebildeten Bau mit deutlicher Zweiteilung: Im südlichen Teil liegt die großzügige, durch Oberlichter und Fensterflächen in Richtung eines angrenzenden Parks geöffnete Schwimmhalle. Der nördliche Abschnitt mit dem Eingangsbereich, dem Umkleide- und Duschbereich sowie den Fitnessräumen ist dagegen teilweise unterhalb der Erdoberfläche angesiedelt. Verstärkt wird die Integration in die vorhandene Landschaft durch eine zurückhaltende Gestaltung der Außenfassaden mit silbrig glänzenden Wellblechpaneelen, Milchglas und als Mauern gestalteten, mit Sandstein gefüllten Gabionen, die trotz ihres massiven Charakters einen fließend leichten Übergang zur steinigen Umgebung schaffen.
Das neue Schwimmbad wird von Nordosten her über die Straße „Calle Polideportivo“ erschlossen. Vom Parkplatz führt ein abschüssiger Weg direkt zum Eingang, der durch einen als übergroßen Aquamarin gestalteten, effektvoll von innen her beleuchteten Glasquader deutlich markiert wird. Die rechts daneben anschließende Glasfront zu den Wellnessräumen wird durch vorgelagerte Gabionen eingefasst. Ein ähnlich geschlossener Eindruck bietet sich den Besuchern in Richtung Osten und Westen. Für die Ausbildung der zur Stadt und zum Park hin orientierten Südseite haben die Architekten dagegen vorwiegend Wellblech verwendet, das mit seinen immateriellen, je nach Sonnenstand und Lichteinfall sich verändernden Reflexionen einen gelungenen Materialkontrast zur Schwere der Steinmauern schafft. Das kleine Fenster im linken Teil der Fassade bietet hier Einblicke von außen auf den Sprungturm, das rechts daneben auf Wasserhöhe sich anschließende horizontale Fensterband sorgt für einen hohen Tageslichteinfall von Süden. Den südöstlichen Bereich des Neubaus, wo sich das über eine lang gestreckte Rampe auch unabhängig vom Schwimmbadbesuch erreichbare Café mit Außenterrasse befindet, fassten die Architekten dagegen wieder mit Gabionen ein.
Einen ähnlich materialbetonten Eindruck wie die Außenhülle zeigen auch die Innenräume. Linkerhand vom Eingang schließen sich der Sau-nabereich, das Café sowie Verwaltung/Gebäudetechnik und Badeaufsicht an, rechterhand gelangen die Besucher zu den vier jeweils 150 m2 großen Fitness- und Sporträumen sowie zum Umkleide- und Duschbereich. Von hier aus führt der Weg dann geradewegs in die Schwimmhalle mit den drei unterschiedlich großen Wasserbecken – ein großzügiger offener Raum mit einer durchgehenden Betondecke, der den Badebesuch fast zum mystischen Erlebnis werden lässt. Und zur Erfahrung der Elemente. Denn dem Erlebnis des Eintauchens ins Wasser entspricht in gegenüber liegender Richtung das Eindringen des Lichts durch verschieden gestaltete Oberlichter: Das zentral gelegene Erwachsenenbecken wird durch ein lang gestrecktes, in zehn Segmente unterteiltes Lichtband mit reichlich Tageslicht von oben versorgt. Der nach Südwesten anschließende Bereich mit der Sprunganlage – der um rund zwei Meter vertieft angeordnet wurde, um die Deckenhöhe in diesem Abschnitt nicht unnötig vergrößern zu müssen – wird dagegen durch ein quadratisches, in neun Segmente untergliedertes Oberlicht belichtet. Noch imposanter gelang die Lösung für das südöstlich platzierte Nichtschwimmerbecken, wo die Architekten drei große, zur Wasserfläche hin sich öffnende Lichttrichter mit unterschiedlichen Lichteinfallswinkeln in die Decke integrierten. Entstanden ist ein beeindruckender, fast sakraler Raum von schlichter Eleganz, der je nach Lichteinfall und Wellenbewegung des Wassers völlig verschiedenartige Reflexionen an die Hallendecke projiziert. Eine Architektur, die sich ganz auf das Erlebnis des Badens und der Elemente besinnt und dabei ausschließlich den Sinnen dient. Raum, Material, Wasser und Licht. Schnörkellos und ohne störendes Beiwerk.
Baudaten
Objekt: Hallenschwimmbad und Sporthallen
Standort: Villanueva de la Cañada, Madrid
Bauherr: Stadt Madrid
Nutzer Gemeinde Villanueva de la Cañada, Madrid
Wettbewerb: 2001
Bauzeit: 2003-2005
Bauleitung: Sébastian Pérez, Banasa Barroso y Nava S.A.
Tragwerksplanung: Josemaría de Churtichaga, Juan de la
Torre Calvo, Madrid
TGA: Geasyt S.A., Madrid
Projektdaten
Brutto-Grundfläche: 2 867 m²
Nutzfläche NF: 4 537 m²
Brutto- Geschossfläche BGF: 5 128 m²