DBZ 5/2000

     
     
     

Spiel mit Material und Farbe

     

Sommerhaus auf Zypern

     

Wie es aussieht, wenn zwei befreundete Architektinnen ein Sommerhaus bauen, in dem die eine von Zeit zu Zeit sogar selbst wohnt, zeigt das folgende Beispiel. Es versteht sich fast von selbst, dass bei solch einer Lage die Inspirationen fließen.

         
   

Eingebettet in eine ursprüngliche von Natur, Wind und Meer zurückeroberte Küstenlandschaft steht eine kubische Komposition, die archaisch und zugleich modern anmutet: Klare Volumina , die sich durchdringen, Verschiebungen in der Horizontalen und in der Vertikalen, ein spannungsreiches Ganzes, das dem Ort respektvoll begegnet.
Weiße Kreidefelsen an der steinigen Westküste Zyperns, Felsskulpturen im tiefblauen mediterranen Meer, Carrées üppiger Bananenplantagen, windgebeugte Johannisbrotbäume, knorrige Kugelbüsche bilden den Rahmen für das Ferienhaus eines deutschen Musikproduzenten, der sich von zwei befreundeten Architektinnen ein Steinhaus hat planen lassen.
Konzeption
Elemente der klassischen Moderne befinden sich hier im Dialog mit traditionellen zypriotischen Bauformen. Turm , Langhaus und Sonnenhof (Illiagos) ergeben eine interessante architektonische Mischung aus Orient und Okzident. Entsprechend der Topographie entwickelt sich das Haus auf verschiedenen Niveaus, bildet im Inneren fließende Räume. So entstehen unterschiedliche Raumhöhen für unterschiedliche Wohnbereiche.
Sparsame Öffnungen wirken wie gezielt gerahmte Landschaftsbilder, und durch ihr kleines Format verhindern diese das Eindringen von direktem Sonnenlicht und dadurch das Aufheizen der Räume im Hochsommer. Zwischen Haupthaus und separatem Gästehaus stellt der Illiagos das Bindeglied, sozusagen als aufgelöstes Langhaus, das schattenspendende Sommerwohnzimmer mit Freiluftküche dar. Dies ist die Mitte des Hauses, die am meisten benutzt wird.
Das im Westen vorgelagerte, separat liegende Gästehaus bildet als Steinhaus den Endpunkt der Anlage und ein Pendant zum Turm. Es schützt den Illiagos vor dem Westwind. Dagegen ist es bei extremer Hitze durchaus wünschenswert, wenn Luft zirkulieren kann. Möglich wird dies durch die Art der Überdachung des Freiluftraumes. Sie ist als horizontal liegende Lamellenkonstruktion angelegt, die gleichzeitig das einfallende Sonnenlicht filtert. Das Spiel von Licht und Schatten spielt bei dem Entwurf eine sehr wichtige Rolle.
Besonders reizvoll ist der Einsatz unterschiedlichster Materialien, die unter dem Sonnenlicht ein ganz eigenes, sich ständig veränderndes Licht- und Schattenspiel entwickeln. Es stehen verputzte Fassadenflächen handbehauenem Mauerwerk gegenüber, dunkelbraunes, geöltes natürlich gebliebenes Hartholz kontrastiert zur kräftigen Farbgebung der Fassaden, die wiederum die kubischen Formen der einzelnen Baukörper betonen. Deutlich zu sehen am Gästehaus, welches separat liegt. Dort wird der Eingang zum Illiagos als blau lasierter Bauteil ausgewiesen, während das kleine Bad als rotbraun gestrichener Kubus sich in den eigentlichen rechteckig angelegten Wohnraum hineinschiebt. Der Illiagos verbindet das Gästehaus mit dem eigentlichen Wohnhaus. Das als Langhaus angelegte Haupthaus ist in einem dunklen Orangeton angestrichen, lediglich der Eingang wird durch eine ockerfarbene Lasur optisch hervorgehoben.
Das verputzte Langhaus umfasst Eingang, Küche und Wohnbereich, während sich Wirtschaftsraume, Sauna, Haustechnik, WC im Erdgeschoss und Schlafzimmer, Bad wie private Dachterrasse im Obergeschoss in einem vertikalen Turm befinden. Dies schiebt sich einerseits in den länglich angelegten Haupttrakt ein und klinkt sich andererseits in den direkt angrenzenden Hügel ein.
Konstruktion.
Die Architekten wählten für die Konstruktion des Langhauses einen Stahlskelettbau, der wegen der Erdbebensicherheit mit steifem Rahmen ausgebildet wurde. Die Ausfachung besteht aus zweischaligem Ziegelmauerwerk (200x150mm) mit integrierter 50mm dicker Hartschaumdämmung. Das Mauerwerk wurde innen und außen verputzt und mit Mineralfarbe gestrichen.
Die Fassade des Gästehauses bekam einen zweischaligen Aufbau, innen Ziegelmauerwerk mit integrierter Hartschaumdämmung, verputzt außen: Natursteinmauerwerk mit Kalkstein 300mm. Der Schnitt durch die Fassade des zweigeschossigen Baus sieht so aus, dass das Erdgeschoss in einer Stahlbetonkonstruktion ausgeführt wurde, während für die Außenansicht Natursteinmauerwerk (Kalkstein 450mm) gewählt wurde. Im Obergeschoss hingegen kommt Vollmauerwerk zum Einsatz (650mm), ohne Stahlbetonkonstruktion.
Fenster, Türen, Flügel und Schränke bestehen aus Meranti-Holz, für Fußboden und Treppen nahmen die Architektinnen einheimische Materialien wie: zypriotischen Sandstein, Marmor, Holz, Parkett und Eiche. Auch die Gestaltung der Außenanlagen entspricht der durch Trockenheit ausgedörrten Landschaft. Mit landestypischer Vegetation, Materialien oder Gebrauchsgegenständen wie den riesigen alten Tonvorratskrügen oder den Kunstobjekten wurden Akzente im Umraum gesetzt. Besonders zu beachten ist der parallel zum Langhaus verlaufende Pool, dessen Over-Flow-Effekt optisch das Wasserniveau in das unendliche Blau des Meeres überführt.
Baubeginn 1995
Gesamte Wohnfläche 166,6qm
Gästehaus mit Badezimmer 25,7qm
Langhaus 140,9qm
davon:
Essen und Küche 35qm
Schlafzimmer mit Bad 35qm
Wohnen 45qm
Sauna 11,5qm
Vorratsraum 5,5qm
Technik 4,6qm
Wirtschaftsraum 2,8qm
WC 2,2qm
Illiagos 58qm
Pool 58qm
Fertigstellung mit Pool und Außenanlage 1999