Bogdan Bogdanovic. Memoria und Utopie im Tito-Jugoslawien

 

 

Die Frankfurt Rundschau schrieb in einer Ausstellungsrezension zu „Der verdammte Baumeister“, dass „der moralinsaure, westliche Anti-Faschismus-Denkmaldiskurs der letzten 20, 30 Jahre […] sich nie zu solcher Bleischwere [hätte] entwickeln können, wäre Bogdanovics Ideenfülle zur Memorialarchitektur nicht weitgehend hinter dem Eisernen Vorhang verborgen geblieben.“ Und wirklich ist das, was das Wiener Architekturzentrum – durch einen großen Vorlass Bogdanovics inspiriert – uns Überraschten zeigt, eine Offenbarung; an der jeder in dem hier vorliegenden Band zur Ausstellung teilhaben kann.

Friedrich Achleitner nennt ihn einen Urbanalogen, Architekten, Bildhauer, Ornamentiker, Kalligraph, Grafiker und „Kritzler“ (so bezeichnete sich der exilierte Jugoslawe selbst gerne), und deutet damit an, dass hier ein die Disziplinen in selten glücklicher Weise übergreifend arbeitender Intelligenzler und Humanist am Werke war und ist. Und dessen Werk nur der verstehen kann, der all diese Aspekte vor Augen hat.

Sein Hauptwerk, das der 1922 in Belgrad geborene Architekt jedem ideologischen Zugriff entzog, indem er es überzeitlich in archaischen Setzungen und Bildern seiner Gegenwart anvertraute – ein Vertrauen, das dazu geführt hat, dass nicht wenige seiner Denkmäler unter Vandalismus und Hetzpropaganda vom Verschwinden bedroht sind. So wird es Zeit, die Arbeiten aus Ex-Jugoslawien in die Gegenwart zu retten. Dazu sprechen in der vorliegenden Arbeit ehemalige Studenten und Wegbegleiter, Bewunderer und Kenner. Es gibt Texte über seine Art zu Lehren (nicht über seine Lehre!), über seine Art zu denken, es gibt einen aufschlussreichen Vergleich mit Plecnik und einen Text über das Mythologische in seiner Arbeit. Und dann kommen 21 Denkmäler aus dem Tito-Jugoslawien, jedes eine Perle, jedes eine tiefe Geschichte, die sich allein aus ihrer Form, der Fügung antropomorpher Einzelformen und ihrer Einbettung in den Kontext zu erzählen scheint. Ein Werk- wie Schriftenverzeichnis schließen das Buch, aus welchem man gar nicht so schnell aussteigen möchte, ab. Wer Bogdan Bogdanovic noch nicht kannte, wird ihn nach der Lektüre nicht mehr vergessen, denn das Meiste was er uns heute hinterlassen hat, wird auch in Zukunft noch gelten für eine Architektur der Erinnerung. Be. K.

Bogdan Bogdanovic. Memoria und Utopie im Tito-Jugoslawien
176 S., 206 Farb- u. sw-Abb., 33 €
Wieser Verlag, Klagenfurt 2009
ISBN: 978-3-85129-834-5

Dieses und weitere Bücher sind bestellbar unter: www.profil-buchhandlung.de.