System 180. Bauwelten

 

 

Die meisten von uns leben in unglücklichen Umständen; jedenfalls dann, wenn wir Jürg Steiners Diktum Glauben schenken wollen, dass den kreativen und autonomen Menschen allein „unglückliche Umstände“ davon abhalten können, „die Räume, in denen er lebt, selbst konstruieren und gestalten“ zu können. Er selbst hatte offenbar das Glück, sich in seiner beruflichen Laufbahn immer wieder mit der Frage befassen zu können, was der Mensch braucht, um sein Leben nach eigenen Wünschen und eigenem Können besser zu gestalten. Aus dieser Beschäftigung heraus ist sein „System 180“ entstanden, das bis heute fortentwickelt wird, und das eines nicht fernen Tages genau das leisten können soll, was Steiner von uns allen verangt: Es soll permanente Räume schaffen, Wohnbehausungen, Häuser, Villen gar.

Das „System 180“ ist nichts anderes ein Stahlrohr-Baukasten, aus dessen Teilen Möbel, Messestände, Brücken, Überdachungen und eigentlich alles, was einer räumlichen Struktur bedarf, zu fertigen ist. 180 sind 180 mm Länge je Einheit: 1 Modul hat die Dimension einer Treppenstufenhöhe, zwei die Höhe von Ordnern, vier hat Tischhöhe, fünf Handlaufhöhe und so weiter. Die vorliegende Publikation beschreit nun, aus des Erfinders/Entwicklers/Vermarkters Sicht, das Werden der Idee, die ersten rudimentären Konstruktionen, die folgenden Arbeiten, die Ableitungen daraus und stellt jeweils prägnante Fertigungsbeispiele über Fotos und kurze Texte vor. Das Ganze ist dann irgendwie auch ein „Manifest“ – so steht es in Untertitel notiert –, am ehesten aber der Rückblick eines Firmengründers und selfmade man auf ein schönes Werk, das trotz mancher Verwandtschaften (Mero z. B.) eine ganz eigenständige und in seiner Rauheit ein wenig auch zeitverlorene Wirkung besitzt. Eine bereichernde Entdeckung. Be. K.

Jürg Steiner
System 180. Bauwelten
204 S. mit 120 meist farbigen Abb., 29,80 €
Wasmuth, Tübingen 2010
ISBN: 978-3-8030-0723-0

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