Ingenieurbaukunst Made in Germany 2010/2011

 

 

Das kann sich sehen lassen. Fast möchte man glauben, ohne deutsche Ingenieurbüros kann auf der Welt nichts gebaut werden, dass nicht in aller (zumindest) deutscher Munde wäre. Vorgestellt werden in dieser, sich auch als Rechenschaftsbericht verstehender Publikation 19 international seien oder auch bedeutende Großprojekte, wie die WM-Fußballstadien in Südafrika, das Schiffshebewerk am Drei-Schluchten-Staudamm in China, die Elbphilharmonie in Hamburg, der Dauerbrenner Neues Museum in Berlin oder der Offshore-Windpark Alpha Ventus in der Nordsee. Und natürlich gehört es sich für eine solche Publikation – die für einen Leistungsnachweis deutscher Ingenieursbaukunst recht teuer ist –, den technischen Aspekt des Bauens in den Vorgrund zu rücken. Also sehen wir viele Baudetails, Baustellenbilder, Montagesituationen real und animiert, und viele viele Detailszeichungen. Mit Diagrammen oder der Darstellung von Kräfteverläufen werden wir nicht behelligt.

Leider zielt die Publikation – schon mit ihrer sehr sauberen und abwechslungsreichen Gestaltung – auch auf den so genannten „interessierten Laien“, so dass manches Bauwerk, das hierzu mehr hergäbe, etwas zu kurz kommt in der ingenieurstechnischen Betrachtung. Hier wäre eventuell auch über eine andere Auswahl der Autoren nachzudenken, die für die von ihnen porträtierten Projekte nicht immer so kompetent erscheinen, wie man es sich für die Darstellung ingenieursmäßiger Belange wünschen könnte. Aber dennoch: Die Auswahl der Projekte zeigt deutlich, dass erstens die Herausgeber am Puls der Zeit sind, und zweitens, dass die Ingenieursbaukunst – hier allerdings nicht immer sauber von der oft ebenfalls beteiligten Architektenbaukunst getrennt – längst mehr ist, als die Herstellung einer für ihre Aufgabe zweckmäßigen Anlage.

Ergänzt werden die Projektanalysen um kleine Essays zu den Themen historische Bautechniken, Faserverbundwerkstoffe oder Beton. Ein recht umfassendes und auf ausgewählte Projekte bezogenes Porträt von Transsolar Energietechnik bringt schließlich ein deutsches Ingenieurbüro gezielt in den Fokus des Lesers.

Abschließend bleibt eigentlich nur noch zu wünschen, die kommende Ausgabe zöge noch einen Kritiker ins Heft, der – bei Wahrung von Schreibefreiheit – hinterfragen dürfte, ob jedes der hier gezeigten (Ingenieur)Bauwerke vorbildlich ist im Sinne von Ressourcenverbrauch, Landschaftsverletzungen, regelrechtem Städtebau etc.; dann wärs perfekt. Be. K.

Bundesingenieurkammer (Hg.)
Ingenieurbaukunst Made in Germany 2010/2011
160 S., etwa 200 Farbabb., 39,90 €
Junius Verlag, Hamburg 2010
ISBN: 978-3-88506-464-0

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