OpernTurm Frankfurt am Main. Christoph Mäckler

 

 

Nun ist es vielleicht nicht ganz gerecht, wenn ein Hochhauskritiker eine Buchbesprechung verfasst, deren alleiniges Thema eben ein solches hohes Haus ist. Der Rezensent könnte nun damit beginnen, die hier versammelten und die unterschiedlichen Aspekte des Hochhauses bespiegelnden Texte zu bewerten (inklusive des fast am Ende stehenden Textes des Hauptmietervertreters). Er könnte die Qualität der Fotografie beurteilen (hier sicherlich makellos) oder sie dahingehend betrachten, ob über sie ein rundes Porträt gelungen sei oder nicht (eher nicht). Er könnte sich die Zeichnungen vornehmen, die ihren Schwerpunkt in der Abbildung von Entwurfsskizzen haben (es fehlt ein Lageplan). Oder er schaut auf die Zahlen, die belegen sollen, dass der gerade für 550 Mio. € verkaufte Turm mit Randbebauung energetisch betrachtet Zukunftsmusik ist, die wir heute an diesem Ort bereits hören können (aber können wir das tatsächlich, wenn zur geplanten Zertifizierung nach Umweltstandard LEED-Gold nicht eine einzige Zahl abgedruckt wurde?).

Der OperTurm verdient sicherlich jeden Respekt, doch ob diese 170 m hoch in den Frankfurter Himmel ragende, fenstergelöcherte Steinstele die Zukunft des innerstädtischen Bauens darstellt, für welche solche Prestigeobjekte gerne gehalten werden, ist auch mit diesem Bau nicht belegt. Und nicht einmal die Neugier auf Vorstandsbüros, auf Vorstandstoiletten oder Vorstandsrestaurants wird befriedigt, die spärlichen Innenansichten beschränken sich auf die 18 m hohe Lobby und ein paar ausgewählte Orte der Erschließung.

Mäcklers Versuch, die Hochhaustypologie mit diesem Turm auf eine seriöse, ja klassisch zu nennende Grundform zurückzuführen, die zudem städtebaulich verträglich ist, erscheint angesichts seiner eben doch dominanten und die Vertikale in der eigentlichen Ebene betonenden Präsenz nebensächlich. Solche Hochhäuser zerstören vielleicht nicht den Stadtraum, sie heilen ihn bestensfalls auch nur als zweitbeste Lösung. Und sie demonstrieren unverholen den Willen des/der Eigner(s), öffentlichen (Luft)Raum zu kapitalisieren. Ob das einem Stadtfrieden ganz unten auf dem Boden in nachhaltig effizienter Weise dient? Be. K..

OpernTurm Frankfurt am Main. Christoph Mäckler
Dt./engl., 96 S., zahlr. Farb- u. sw Abb., 22€
Jovis Verlag, Hamburg 2010
ISBN: 978-3-86859-048-7

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