Kragkuppelbauten

 

 

Die einen sammeln Steine und packen sie in Glasvitrinen, die anderen sammeln Steinbauten und sammeln sie … in einem Buch bespielsweise. So jedenfalls die Wuppertaler Künstlerin Renate Löbbecke, die in den zurückliegenden 25 Jahren in 15 Ländern (Schwerpunkt Europa) Kragkuppelbauten aufgesucht, fotografiert und in Notizen beschrieben hat. Die so entstandene Sammlung liegt nun vor.

Kragkuppelbauten sind einfache Bauformen: Die Steine, die in vielen Gegenden so zahlreich herumliegen, schichtete man in Trockenbauweise zu nützlichen Strukturen auf – Mauern, Terrassenversprünge und auch zu Hütten. Die einzige Technik, die eine Überdachung ohne weitere Hilfsmittel ermöglichte, war die Errichtung einer Kragkuppel – eine Bauweise, die bis zu den Grabkammern des 5. vorchristlichen Jahrtausends zurückgeht.

Und die vor etwa 200 Jahren und teils bis heute in Europa wieder angewandt wurde: Zumeist als Feldhütten für Witterungsschutz oder Ställe, seltener in ganzen Siedlungen. Die Autorin, mehr Künstlerin als Wissenschaftlerin, hat mit der Leidenschaft einer ambitionierten und kenntnisreichen Sammlerin hunderte dieser ökonomisch wie ökologisch betrachtet perfekten Zweckbauten mit teils höchstem ästhetischen Potential aufgesucht. Und sämtlich fotografiert, teils über Zeichnungen verständlich gemacht und kurz in ihrem Zustand oder Besonderheiten beschrieben. Die Ortsangabe sind teils so vage gehalten, dass man vermuten kann, diese Bauten sollten nicht von zufällig Vorbeireisenden aufgesucht und damit vor stärkerem Andrang geschützt werden.

Der rein beschreibende Charakter ihrer Arbeit, die sich nur oberflächlich in ältere Forschung verliert, führt bei der Fülle des Materials und seiner Beschränkung auf den Ort schnell zur Ermüdung des Lesers. Denn in der Menge erscheinen die Bauten austauschbar (und sind es ja auch). Andererseits wirft die große Zahl ähnlicher Bauten die Frage auf, wie sich Technik und Raumausformung in eigentlich weit voneinander entfernten Gegenden in den dann vergleichbarer Bauformen entwickelt haben. Doch Fragen werden nicht beantwortet. Hier wartet dann also eine großartige Sammlung primitiver wie zugleich höchst effizienter Bauten auf ihre vertiefende Auswertung seitens der Historiker, Bauhistoriker, Archäologen; oder seiner Verwertung durch Künstler, Architekten und Designer. Be. K.

Renate Löbbecke
Kragkuppelbauten
384 S., 5 Farb- u. 1500 sw-Abb., 48 €
Verlag der Buchhandlung Walther König 2012
ISBN: 978-3-86335-100-7

Dieses und weitere Bücher sind bestellbar unter: www.profil-buchhandlung.de.