Museumsinsel Berlin

 

 

Mit Blick auf die professionelle Gestaltung, die hohe fotografische Qualität und die große Menge des hier präsentierten Materials, und zudem mit Blick auf den zu diesem Kontext extrem günstigen Anschaffungspreises muss ich schon jetzt – leider sehr knapp vor Weihnachten – sagen: Sie haben, wenn Sie es noch kaufen können, hier ein wunderbares Weihnachtspräsent! Für Architekten, für Kunstinteressierte, für Berlin-Fans, für Städteplaner und Ausstellungsmacher, Kunsthistoriker und solche, die an solchen Gesamtkunstwerken der Druckkunst Gefallen haben.

Aber. Der günstige Preis resuliert aus der prominenten Herausgeberschaft, die über ein paar wenige Ecken gesehen sich aus unseren Steuergeldern finanziert. Das heißt, Sie kaufen ein Buch, das Sie schon zu Bruchteilen vorfinanzierten. Aber Schwamm drüber, wie geschrieben: es lohnt sich.

Aber. Die Herausgeberschaft, die Staatlichen Museen zu Berlin, haben hier Autoren herangezogen, denen man vieles nachsagen kann, nur nicht, sie hätten eine kritisch distanzierte Haltung zum Milliardenprojekt Museumsinsel. Im Gegenteil, ein nicht unerheblicher Teil der AutorInnen stammt aus dem eigenen Hauses. Das ist legitim, macht jedoch so manchen, hier dann zwar „Essay“ genannten, teils jedoch Hausmitteilung seienden Text leblos, lediglich so genannte Fakten listend. Geschichte, Kunstgeschichte, Architekturgeschichte und Architektur (gegenwärtig) werden sämtlich so beackert, dass das Projekt Museumsinsel (mit, wie im Vorwort geschrieben 3 Mio. Besucher jährlich, Tendenz steigend) in möglichst großem Glanze dasteht. Dass Manfred Rettig beispielsweise, seines Zeichens Geschäftsführer der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum, in seinem abschließenden Text darauf hinweisen darf, dass erst das Schloss dafür sorge, dass die Mitte der Stadt Berlins wieder „ernst genommen“ wird – und das schreibt er nach 400 Seiten über das Wunder Museumsinsel vor dem tatsächlich doch immer noch umstrittenen Schloss-Projekt – macht die Sache noch mehr verdächtig, hier müssten einige Damen und Herren Rechenschaftsberichte – in allerdings schön verpackter Weise – abliefern.

Was deutlich fehlt ist ein Gesamtüberblick über die Bauten, ihre Architekten und Mäzene, es fehlt eine zentrale Chronologie der Ereignisse, es fehlen Hinweise auf Kosten, auf die Entwicklung der Sammlungen insgesamt. Es fehlt die oben schon bemerkte kritische Auseinandersetzung mit diesem Großprojekt, das ganz offensichtlich einer der wesentlichen Wirtschaftsfaktoren (im Gegensatz zum Humboldt-Forum) für die Stadt ist. Und natürlich fehlt, aber das ist in diesem hier skizzierten Rahmen definitiv nicht zu erwarten, es fehlt dennoch eine kluge Auseinandersetzung mit dem Thema Restitution und endlich einmal ein gleichfalls kluger ESSAY zum Thema „kulturelle Aneignung“ durch Inkorporation. Denn dass ausgerechnet Griechenland und die islamische Türkei die Hauptattraktionen auf der Museumsinsel stellen, bietet Raum für weit- wie tiefgehende Reflexionen über die Befindlichkeit und das Selbstwertgefühl einer an solchen Kulturgütern offenbar armen Nation.

Aber: kaufen, schenken lassen, wünschen! Be. K.

Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.)
Museumsinsel Berlin
416 S., 128 Tafeln, 92 Farb- u. 44 sw-Abb., 39,90 €
Hirmer Verlag, München 2012
ISBN: 978-3-7774-4901-2

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